Landwirtschaftliche Kooperation in der Praxis

Rundum das Thema Kooperation in der Landwirtschaft gibt es noch immer viele Fragezeichen. Was braucht es für eine erfolgreiche Zusammenarbeit? Dieser Beitrag soll Einblicke in die gelebte Praxis geben. Im Folgenden werden zwei unterschiedliche – eine pragmatische sowie eine idealistische – Herangehensweisen an das Thema vorgestellt.

Betriebskooperation

Zwischen den beiden Kärntner Familienbetrieben Nuart vulgo Hafner und Widrich/Lippitz besteht bereits eine rund 13-jährige Betriebspartnerschaft zur Produktion von Rohmilchkäse. Die Betriebe liegen 25 km voneinander entfernt und bilden jeweils eine autonome Einheit mit eigener Betriebsnummer und innerbetrieblicher Organisation. Zwischen den Betrieben besteht eine Partnerschaft mit Handschlagqualität. Eva hat, gemeinsam mit ihrem Mann, erst vor kurzem den elterlichen Hof Nuart vulgo Hafner übernommen.

Aufgrund der kleinen Betriebsgröße wurde der Betrieb in den 70ern in den Nebenerwerb überführt. Die Spezialisierung auf Schafsrohmilchkäse machte für den kleinen Hof eine Rückkehr in den Vollerwerb möglich „Nach ein paar Jahren stellte sich heraus, dass die Arbeitsbelastung zu hoch und die Lebensqualität zu gering waren. Da ist dann die Idee der Kooperation entstanden” beschreibt Josef Nuart die Motive für eine Betriebskooperation.

Heute arbeitet Eva, ihr Mann und drei Teilzeitmitarbeiter*innen am Betrieb.

Derzeit produziert die Familie Widrich/Lippitz die Schafmilch und einen Teil der Lämmer und die Familie Nuart vulgo Hafner verarbeitet die Milch, vermarktet die Produkte und übernimmt ebenfalls einen Teil der Lämmer. Die Milch wird abwechselnd geholt bzw. gebracht, aber nicht wie sonst üblich, abgekauft. Die Wertschöpfung wird dann mit einer „Drittel-Methode“ aufgeteilt – das bedeutet: ein Drittel für das Urprodukt Milch, ein Drittel für die Verarbeitung und ein Drittel für die Vermarktung.

Von beiden Seiten gibt es ein starkes Bestreben gut miteinander auszukommen. Man trifft sich nach Bedarf, ohne große Struktur, eben wenn ein Problem da ist. Streitereien gibt es eigentlich nicht. Die Probleme sind eher betriebstechnischer Natur, zum Beispiel wenn was mit der Milchqualität nicht stimmt. Dann versucht man aber keinen Schuldigen zu suchen, sondern das Problem gemeinsam anzupacken. Auch wenn so mancher schon versucht hat Unruhe zwischen den Familien zu stiften, zum Bespiel mit Kommentaren wie: „Jetzt habt ihr so Scherereien nur weil die Nuarts sich einbilden, dass sie Rohmilchkäse machen wollen. Wenn die pasteurisieren würden, wäre das alles kein Problem.“ Man lässt sich aber in so etwas nicht verwickeln, sondern arbeitet stattdessen an der Lösung des Problems. Die 25 km Distanz zwischen den Betrieben, sehen die Familien auch in dieser Hinsicht als Vorteil. Da anders als in einer Hofgemeinschaft nicht alles, also Wohnen, Arbeiten und Leben an einem Ort, stattfindet. Man schaut sich also nicht die ganze Zeit über die Schulter und beurteilt, sondern jeder darf und kann so Arbeiten wie es für richtig empfunden wird. Eva teilt mir mit, es herrscht eine gute professionelle Beziehung.

Als große Vorteile ihrer Kooperation sehen sie die Handschlagqualität der Beziehung, die arbeitstechnische Erleichterung, aber auch die gesunde Distanz zwischen den Betrieben.

Kooperation auf der grünen Wiese

Der Betrieb GeLa Ochsenherz in Niederösterreich ist eine solidarische Landwirtschaft (SoLaWi), auch Comunity Supported Agriculture (CSA) genannt. Einfach gesagt bedeutet das, dass die Ernteteiler*innen einen fixen Betrag pro Jahr für ihr Gemüsekistl bezahlen, und somit die Kosten schon vor dem Produktionsjahr gedeckt werden. Man bezahlt also nicht nur für das Produkt, sondern die Wertschätzung kommt der Arbeit als Landwirt*in selbst zugute. Das führt dazu, dass der finanzielle Schaden durch Ernteverluste, zum Beispiel durch Trockenheit oder Schädlingsbefall, kollektiviert wird. Bei einer unerwartet guten Ernte hingegen bekommen die Kund*innen mehr Gemüse.

Ein gemeinnütziger Verein ist bei GeLa Ochsenherz die Basis der betrieblichen Organisation. Die Kooperation besteht hier nicht nur zwischen den zwölf Mitarbeiter*innen, sondern auch mit den Ernteteiler*innen, auch sie sind Mitglieder im Verein. Somit können sie aus rechtlicher Sicht besser, zum Beispiel in die Standbetreuung oder bei den Mithilfetagen am Hof eingebunden werden, aber auch über die Höhe des anstehenden Jahresbudgets mitentscheiden. Von Juni bis November bekommen die Kund*innen dann ihr Gemüsekistl oder holen sich das Gemüse am Markt ab.

Da sich der Betrieb nicht, wie traditionell üblich, am eigenen Hof befindet, pachtet der Verein seine Flächen. Ein Teil davon ist Eigentum der Munus Stiftung. Für diese Flächen läuft der Vertrag derzeit auf 5 Jahre mit der Option einer Verlängerung, nach einer gemeinsamen Evaluierung um jeweils 15 Jahre . Der Plan ist, diesen Pachtvertrag immer wieder um 15 Jahre zu verlängern und das Pachtverhältnis aufrecht zu erhalten solange GeLa Ochsenherz eine Solawi ist. Für die restlichen Flächen gibt es einen 10-Jahresvertrag mit dem Verpächter.

Thomas und Tobi sind zwei der zwölf Mitarbeiter*innen am Betrieb. Thomas ist Landwirt und hatte zuvor mit seiner Familie eine eigene solidarische Landwirtschaft. Tobi hingegen ist Quereinsteiger, wie viele am Betrieb, und hat eigentlich Germanistik studiert. Thomas vergleicht seine heutige Anstellung mit früher, als er noch selbstständig war. Er erzählt, dass der Verein mehr Sicherheit bietet, weil man nicht mit seinem persönlichen Vermögen beteiligt ist, auch gibt es nun mehr Zeit mit den Ernteteiler*innen in Austausch zu treten, das war vorher eher schwierig.

Die Arbeitsbereiche am Betrieb werden einmal pro Jahr aufgeteilt, so kann sich jeder hinsichtlich seiner Interessen betätigen. Auch wenn man noch kein Profi auf einem Gebiet ist, bekommt man hier die Möglichkeit, langsam in die gewünschte Tätigkeit hineinzuwachsen: „… fast wie eine Ausbildung, eben nur nicht so formell“, teilt Tobi mit.

Wenn so viele Menschen zusammen wirtschaften und gestalten, stellt sich automatisch die Frage nach dem Umgang mit Problemen. Anstatt alles selbst in die Hand zu nehmen ist man bei GeLa Ochsenherz offen für Hilfe von außen. Sowohl rechtliche Beratung als auch mediatorische Unterstützung wurde schon in Anspruch genommen. Außerdem ist der Verein soziokratisch organisiert, dass soll ein möglichst faires Zusammenarbeiten ermöglichen.

Als große Vorteile ihrer Kooperation sehen sie die finanzielle Absicherung durch das CSA Modell, sowie die Möglichkeit individuelle Interessen auszuleben und das gemeinsame Landwirtschaften.

Perspektive Landwirtschaft

Autorin

Julia Moser Bsc.

Julia ist in Tirol aufgewachsen. Sie hat den Bachelor Agrarwissenschaften an der BOKU abgeschlossen und währenddessen diverse Praktika auf Bauernhöfen, aber auch bei der ÖBV absolviert. Weiters arbeitet sie selbstständig im Bereich Grafik und Fotografie und macht einen Master in Rural Development and Natural Resource Management in Schweden. Ergänzend zum Studium sammelte sie im Rahmen eines 3 monatigen Praktikums relevante Praxiserfahrung im Bereich ländliche Entwicklung bei Perspektive Landwirtschaft.